Langsam geht er auf die große Holzbaracke, die RED Base zu. Reliable Excavation and Demolition. Ein schwachsinniger Name für eine, seiner Meinung nach, schwachsinnige Organisation. Eine Organisation, die es schaffte fast täglich neue, einfallsreiche Kriegsverletzungen hervorzubringen. Und nun brauchten sie ihn. Erst vor ein paar Tagen lag das Stellenangebot auf der Fußmatte vor seiner Wohnung. Der Briefträger war wieder einmal zu faul gewesen, um es durch den extra angebrachten Türschlitz zu schieben. Nun steht er vor der Eingangstür der RED Base und betrachtet das Schild zu seiner Rechten.
„Tage unfallfreier Arbeit: __“
Dahinter war eine dicke, fette, runde 0 eingetragen worden. War ja auch nicht anders zu erwarten gewesen. Sonst wäre er hier ja schließlich auch fehl am Platz. Er, der Medic. Er, der diesen unfähigen Spätpupertierenden von nun an wieder ihre Arme annähen, ihre Zähne einsetzen und ihre Protesen erneuern würde.
Keiner kennt seinen richtigen Namen. Er selbst versucht ihn so gut wie möglich zu verdrängen, so wie er es mit den meisten Erinnerungen an seine Kindheit tat. Trotzdem hatte er es nie ganz geschafft alle Gedanken über seine Vergangenheit aus seinem Kopf zu verbannen. Sein Vater, der seine Mutter sitzen gelassen hatte, als sie schwanger wurde. Der Tod seiner Mutter im Krankenhaus, als er gerade einmal fünf Jahre alt war. Wie sie ins Krankenhaus kam wusste er nicht mehr. Er wusste nur eines: Die Ärzte hatten versagt. Sein Vater, von dem seine Mutter erzählt hatte, dass er auch Arzt gewesen sei, war hatte die Familie für ein Stellenangebot verlassen. Sein Vater hätte sicher helfen können.
Während seines sechsten Lebensjahres hatte er den Beschluss gefasst auch Arzt zu werden. Er würde nie versagen. Er hatte gelacht, als in den medizinischen Vorlesungen wieder und wieder darauf hingewiesen wurde, dass es immer einen Punkt gab, an dem man nichts mehr tun konnte. Und er hatte versagt, als er selbst an diesem Punkt angelangt war. Als er mit ansehen musste wie das achtjährige Kind an einem Blinddarmdurchbruch starb, der vom Hausarzt nicht erkannt worden war. Und wenn er das vorher noch nicht getan hatte, hatte er spätestens an diesem Punkt angefangen zu hassen. Dieser Hass war es gewesen, der ihn sein restliches Leben lang angetrieben hatte.
Zwei Jahre später verlor er seine medizinische Zulassung. Nicht weil er schlecht war. Er war der beste. Jedoch war er seinen Kollegen immer ein Dorn im Auge. Er behandelte alle Patienten, die zu ihm kamen. Dabei ging sein Interesse bezüglich deren Versicherung und den Ausgaben seiner Klinik gegen null. Nachdem er viermal die Klinik wechseln musste verlor er schließlich seine Arbeitserlaubnis als Arzt.
Doch dies war nicht der eigentliche Grund wieso er hier war.
Noch immer in Gedanken versunken kommt er im Office an und legt seinen ausgefüllten Personalbogen auf den Tisch:
Kompanie/Klasse: _RED Medic______
Vorname: ________________
Nachname: ________________
Spitzname: _____Medic______
Alter: ____39__________
Geburtsdatum: ______1929______
Größe: ___1,96m________
Gewicht: ____91kg_________
Über sich:
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Die Sekretärin schaut etwas skeptisch auf das Blatt, heftet es jedoch dann ohne ein weiteres Kommentar ab. Wahrscheinlich geht sie davon aus, dass auch dieser Medic nur kurz bleiben würde, angesichts der zahlreichen und oft auch grausamen Verletzungen und Krankheiten die zu behandeln waren.
Nun hat er es also geschafft. Er, der Medic war am Ziel seiner „Reise“ angelangt. Er war im Bauch der Organisation, di er am meisten hasste. Von hier aus wurde sein Leben zerstört. Hierher war damals sein Vater geflohen. Diese Stelle war der Vorwand gewesen um ihn und seine Mutter im Stich zu lassen. Lange hatte es gedauert bis der Medic es herausgefunden hatte. Doch nun war er da.
Gespielt in: TF2-FRPG




